Matti - Ein Plädoyer für unsere Senioren

Seit Anfang Februar ist Matteo, genannt Matti nun bei uns.

Sein ungefähres Geburtsjahr ist laut Pass 2009, d.h. wir haben also einen 13jährigen Opi adoptiert!

  • Er ist Leishmaniose-positiv:       macht nichts-er kriegt jeden Tag (preisgünstige!) Tabletten und Spezialfutter
  • Er ist so gut wie taub:                     macht nichts, er muss ja nicht mehr groß erzogen werden, er läuft an der Schleppleine, damit er nicht verloren geht
  • Er sieht nicht mehr so gut:          macht nichts, er läuft an der Schleppleine, damit er nicht verloren geht

Er ist heute, nach 6 Monaten, ein tolles, absolut liebenswertes Familienmitglied geworden. Er hat trotz seines Stresses am Anfang, niemals, wirklich niemals die Lefzen hochgezogen oder geknurrt oder die Zähne gezeigt, sondern alles (auch beim Tierarzt oder Ohren reinigen!) mit Geduld über sich ergehen lassen.

 

Er hat Muskeln aufgebaut, geht sehr gerne spazieren, bleibt dabei immer dicht bei seinen Menschen.

Auch die Fahrten mit dem Auto sind gar kein Problem mehr.

 

Er hat sich perfekt in sein neues Leben eingefügt, heute rennt er die Treppen rauf und runter, schläft bei uns oben in seinem Zweitwohnsitz im Schlafzimmer, bleibt mit unserer kleinen Sozialarbeiterersthündin problemlos eine Weile allein.

 

Nach 3 Monaten, es war noch nicht alles so einfach wie jetzt, haben wir mit den beiden Hunden unseren ersten Wohnmobilurlaub gestartet und waren gespannt wie es mit Matti laufen würde- es lief perfekt! Es hat ihm, glauben wir, sehr gut gefallen, dass seine Menschen ständig so eng um ihn waren. Alle neuen Eindrücke, und da gibt es bei einer Wohnmobilrundreise eine Menge, hat er ziemlich entspannt weggesteckt . Sein Womo war seine Höhle, von der aus er alles draußen gut beobachten konnte, auch wenn wir draußen saßen und auch unsere Hündin Lima draußen war.

 

 

Aller Anfang ist schwer, heißt es.

 

Der Spruch kann zutreffen, aber wenn man sich auch nur ein bisschen in die arme Hundeseele hineinversetzt (und überlegt, welch armseliges Leben sie vorher nur kannte!), beißt man die Zähne zusammen und hält durch!

Für mich hieß das : 2 Monate auf dem Sofa schlafen, Matti war zwar vom 2. Tag an stubenrein, aber meldete sich dann mehrfach nachts mit Gebell, weil er in den Garten musste. Heute schläft er locker durch.

Da er anfangs noch keine Treppen stieg um bei uns oben zu schlafen, war das dann halt so . Das Treppe steigen haben wir mit Fleischwursthappen auf jeder Treppenstufe täglich geübt. Die letzten Stufen haben wir ihn dann irgendwann hoch getragen, aber das fand er total gruselig und wollte sofort wieder runter.

Anleinen, geschweige denn an der Leine laufen war völlig unmöglich. Er war total panisch, drehte Pirouetten auf den Hinterbeinen und biss ratzfatz jede Leine binnen Sekunden durch.

Mit früher Hilfe durch eine Hundetrainerin, ging es dann Schrittchen für Schrittchen besser, wir haben dann z.B. den 1. Meter Schleppleine durch ein Stück Baumarktkette ersetzt, das bekam auch Matti nicht kaputt J

 

Dann sind nach und nach die Knoten bei Matti geplatzt.  Spaziergänge wurden immer besser, Pirouetten gab es schon bald nicht mehr  und sofort nach der Rückkehr von unserer Reise ist er die Treppe hoch und runter geflitzt, geht jetzt  manchmal sogar schon vor uns hoch in sein Körbchen schlafen J.


 

Die einzige Baustelle, die wir noch ein bisschen verbessern wollen, ist seine Angst vor anderen, fremden Hunden. Aber auch das meistert er mit etwas Abstand mit Bravour und erträgt fremde Hunde mit geringer werdendem Abstand immer besser.

 

 


Das Schönste an so einem alten Hund ist, wenn man sieht, dass auch so ein schrulliger alter Opi noch sein neues Leben mit Freude annimmt, sein Körbchen genießt, die Spaziergänge- es hat Wochen gedauert, bis er das Schnüffeln draussen für sich entdeckt hat!-, sich am liebsten den ganzen Tag kraulen lassen möchte. Er hat mit Menschen wohl Gott sei Dank keine schlechten Erfahrungen gemacht, sondern begrüßt jeden Besucher freudig als neues Kraulopfer J

 

Kurzum, er ist ein supertoller liebenswerter Hund, wir möchten ihn nicht mehr missen und können jedem nur raten, einer alten Hundeseele nochmal eine Chance zu geben und eine schöne Zeit zu bereiten und die Anfangszeit, die schwierig sein kann, aber nicht sein muss, durchzuhalten. Die Zeit die dann kommt, ist wunderbar!

 

Herzliche Grüße

Gabi und Michael W. mit Lima und Matti