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Ares

Ares – vom Kettenhund zum Kronprinz

Unser Ares hat Furchtbares erlebt. Dabei fing alles so gut an….
Als Welpe kam er mit einem Wurfbruder in eine Familie. Lebte im Haus, tollte im Garten herum. Als die Brüder erwachsen wurden, beschwerten sich die Nachbarn, fürchteten sich vor den Hunden. Dann ging es steil abwärts: Der Halter legte beide an die Kette, jahrelang. Die Brüder, ihrer Freiheit beraubt, wurden zu erbitterten Feinden, denn ihr ganzes Leben hatte einen Radius von 1-2 Metern. Einer musste also weg. Auf Sardinien ist es üblich, unerwünschte Hunde zu entsorgen. Erschießen, vergiften, aufhängen….es existieren mannigfaltige Grausamkeiten. Wir erfuhren durch einen einheimischen Tierschützer von den beiden Not leidenden Schäferhunden und brachten den Halter dazu, uns einen Hund zu überlassen. Den anderen wollte er behalten. Lieblos, wie eine gelesene Zeitung, wurde uns Ares auf dem Parkplatz eines Hotels in die Hand gedrückt. Verschüchtert, handauffällig, ein einst stattlicher Hund, verkommen zu einem Häufchen Elend.

Wir brachten ihn auf HOPE, unserer kleinen Auffangstation, unter. Es gab keine andere Möglichkeit, sein Leben zu retten. Wohl wissend, dass es für einen Schäferhund, der (leider) wie kaum eine andere Rasse dazu gezüchtet wurde, dem Menschen bedingungslos zu dienen, eine Qual sein muss, keine ständige menschliche Anbindung zu haben. Es ist für keinen Hund schön, nur wenige Stunden täglich menschlichen Kontakt zu haben. Unsere Kollegen tun alles Menschenmögliche, aber es ist eben kein Zuhause.
Ares litt sehr, fraß kaum noch, magerte ab. Wurde noch unterwürfiger, folgte unseren Kollegen wie ein Schatten, warf sich vor ihnen auf den Boden. Seine dunklen Augen flehten stumm um Hilfe. Wir gaben ihm den Notfallstatus, starteten einen Aufruf. Aber es tat sich nichts. Schäferhunde haben – unverständlicherweise – anscheinend keine Lobby. Ares versuchte ALLES, um bei den Menschen zu sein, überwand nahezu 3 Meter hohe Zäune, um aus dem Hundeareal zu unseren Kollegen zu gelangen, während sie auf dem Gelände waren. Wir befürchteten schwere Verletzungen oder dass er den Hauptzaun überklettert und überfahren wird. Eine Vereinskollegin und erfahrende Pflegestelle bot deshalb an, Ares aufzunehmen. Ende September konnte er endlich nach Deutschland kommen. Mager, mit stumpfem Blick, aber endlich außer Gefahr.

Hier wurde nach und nach das ganze Ausmaß seiner üblen Vergangenheit sichtbar. Ares fürchtete sich vor Händen, vor schnellen Bewegungen, schrie und verlor sogar Urin, wenn ihn irgendetwas erschreckte. Eindeutige Zeichen von Misshandlung. Seine Pflegefamilie päppelte ihn behutsam auf, erarbeitete sich in sehr kleinen Schritten sein Vertrauen. Das mag paradox klingen, ist es aber nicht. Ares WOLLTE unbedingt bei den Menschen sein, fürchtete sich aber gleichzeitig vor ZU VIEL Nähe. Er ließ sich lange Zeit weder abtrocknen noch die Pfoten säubern. An seinen Kopf oder seine Ohren durfte man schon gar nicht kommen mit „unlauterer Absicht“, sprich einem Handtuch etc. Halsband an-und ablegen? – Schwierig. Spot-on zwischen den Schultern aufbringen? – Fast unmöglich. In einer (riesigen) Box im Wohnraum bei den anderen schlafen? Nicht mit Ares. Er konnte es einfach nicht mehr ertragen, eingesperrt oder beengt zu sein. Kopfkino. Aber mehr als verständlich.

Auf der Pflegestelle leben 3 kastrierte Rüden, die sich nun in Gesellschaft eines potenten Rüden befanden. Zwei davon akzeptierten dies, der dritte leider nicht. Er mobbte Ares, wenn er Gelegenheit dazu hatte, obwohl dieser jedem Streit aus dem Weg ging, immer souveräne Lösungen anbot. Ares ist ein „Herzchen“, freundlich zu allen Menschen, allen Hunden, allen Katzen im Haushalt. Die Truppe musste getrennt werden, was nicht immer einfach war. Ares hat jedoch in dem jüngsten Rüden seinen besten Kumpel gefunden, der ihm nicht von der Seite wich. Die beiden spielten, schliefen und tobten gemeinsam. Ares mauserte sich zu einem imposanten Vertreter seiner Rasse mit all deren positiven Eigentschaften.

Dann, nach 6 Monaten, kam DER Anruf, auf den wir so sehnsüchtig gewartet hatten! Ein Ehepaar mit einer souveränen, älteren Hündin hatte sich in Ares verliebt, auch von dem Mobbing-Problem gelesen. Sie hatten wenige Wochen zuvor ihren geliebten Schäferhundmischling in hohem Alter verloren. Trotz aller Trauer war da ein Körbchen frei und sie fühlten sich nicht komplett, wollten helfen. Ausziehen konnte Ares jedoch leider nicht sofort, denn es stand noch eine Operation an, deren Nachsorge nur seine Pflegeeltern leisten konnten, da Ares ihnen inzwischen vertraute. Ares war kryptorchid, hatte einen Hoden im Bauchraum, der unbedingt entfernt werden musste. Das hinderte seine neue Familie jedoch nicht daran, ihn mehrfach zu besuchen. Sowohl vor als auch nach der OP verbrachte sie viele innige Stunden mit ihrem zukünftigen Familienmitglied, immer in Begleitung von Bonnie, der kleinen Hundedame. Da Ares - wie erwartet - in absolute Panik geriet angesichts einer Halskrause, stellte die Pflegefamilie eine 24-Stunden-Überwachung auf die Beine, damit er nicht seine große Bauchnaht bearbeitete. Auch hier brachte sich seine neue Familie ein und übernahm Schichten. Das war doppelt gut, denn auf diese Weise schufen sie bereits eine Bindung, ein Vertrauensverhältnis. Ares freute sich jedes Mal, wenn sie kamen, ließ sich umsorgen und beschmusen. Es waren einfach die Richtigen!

Am 29. März war es soweit: Ares – jetzt Tamo – sprang mit ihm bereits vertrauten Menschen ins Auto und brauste nach Leverkusen. Dort nahm er sofort das riesige Sofa in Beschlag und sah sich interessiert in Haus und Garten um. Er hat nun gleich 2 Omas zum Verwöhnen mit im Haus, „Papa“ arbeitet von zu Hause, Bonnie zeigt ihm, was er wissen muss – er wird nie wieder allein sein! Und gleich nebenan wohnt ein netter Hundekumpel in seiner Gewichtsklasse zum toben. Ersten Rückmeldungen zufolge erobert Tamo alle Herzen im Sturm und fühlt sich richtig wohl! Danke, Silvia und Ingo, dass ihr die ganze Zeit für ihn da wart! Genieße nun dein Leben, Tamo. Es wird höchste Zeit!