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Angsthunde

 

Die Ursachen, warum ein Hund zum Angsthund wird oder werden könnte, sind vielfältig. Zugrunde liegt in jedem Fall ein Trauma, das der Hund bisher nicht verarbeiten konnte. Ebenso unterschiedlich sind die Formen, in denen sich eine tief sitzende Angst zeigen kann.

Für unsere Partnertierheime auf Sardinien und in Andalusien ist das Streunerdasein ein wichtiger Aspekt. Streunende Hunde müssen hart um ihr Überleben kämpfen; sie werden ständig verjagt, verfolgt, manchmal sogar geschlagen oder anderweitig körperlich bedroht. Streuner haben aus eben diesen Gründen meist kaum Kontakt zum Menschen, also enorme soziale Defizite. Wenn sie dann in unsere Partnertierheime verbracht werden, plötzlich auf engstem Raum mit vielen anderen Hunden zusammenleben müssen oder einen kleinen Zwinger ohne Artgenossen bewohnen, stehen sie praktisch mit dem Rücken an der Wand, wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Ein prägnantes Beispiel: Zuvor auf der Straße ist die Futterbeschaffung überlebensnotwendig. Findet sich dieser ehemalige Streuer nun plötzlich in einem Gehege mit 10 Artgenossen und 7 gefüllten Futterschüsseln wieder, wird schnell klar, dass entsprechende Verteidigungsmechanismen in Gang gesetzt werden können. Denkbar ist auch, dass ein solcher Hund es nicht wagt zu fressen, weil er als Neuling aus eigener Sicht - oder auch aus Sicht der Gruppe - gar keinen Anspruch auf Ressourcen hat.

Schlechte Erfahrung in der eigenen Familie, bevor die Hunde ins Tierheim abgeschoben wurden, ein schwerer Autounfall, eine zu frühe Trennung von der Mutter etc. sind weitere Aspekte, die Ängste verursachen können.

Gesichter der Angst

Ein solcher Hund sitzt nicht unbedingt mit schreckgeweiteten Augen und angelegten Ohren in einer Ecke und zittert. Das wäre der Klassiker… Es ist auch möglich, dass er sich tage-oder auch wochenlang unter Möbeln versteckt, plötzlich panisch über Tisch und Bänke springt, wenn er ein Geräusch hört, das er nicht einordnen kann. Fluchttendenzen zeigen sich häufig auch auf Spaziergängen, da dort alles neu und ungewohnt ist. Manche Hunde zeigen über längere Zeit Meideverhalten, schleichen mit der Rute unterm Bauch davon, wenn man nur in ihre Nähe kommt, lassen sich nicht anfassen, fressen schlecht oder zögerlich, verlieren in einer Panikattacke Kot oder Urin.

Dann gibt es Hunde, die eher ruhig wirken, es aber nicht sind. Sie stehen still da, eventuell gibt es sogar Blickkontakt. Möglicherweise hört man sie leise und warnend knurren. Das könnte die Ruhe vor dem Sturm sein. Wenn man nun falsch reagiert, indem man z.B. weiter auf den Hund zugeht oder ihn mit Blicken fixiert, gerät das Tier unter Umständen derart in Bedrängnis, dass es nur noch den Ausweg nach vorne sieht und aus Angst zuschnappen könnte. Die Ursache ist in solchen Fällen reiner Selbstschutz! Es ist auch denkbar, dass ein Hund in Bedrängnis komplett in sich zusammenbricht.

Aus einem Angsthund wird im Verband oft schnell ein Mobbingopfer und in Folge leider auch manchmal ein medizinischer Notfall.

Die Adoption eines Angsthundes

Wir sind bemüht, diese Hunde im Tierheim gut einzuschätzen und detailliert darzulegen, um welchen Typ Angsthund es sich handelt, wie stark die Ausprägung ist. Aus langjähriger Erfahrung wissen wir, dass - sofern man einige wenige Grundregeln einhält und Geduld hat - das Zusammenleben mit einem Angsthund nicht nur möglich, sondern sehr lohnend ist. Die Belohnung besteht darin, dass man diese Hunde aufblühen sehen darf, sich mit ihnen über jedes Schrittchen und jeden kleinen Erfolg unendlich freuen kann. Die meisten Hunde tauen irgendwann auf und zeichnen sich dann durch besondere Hingabe und Anhänglichkeit gegenüber ihren Menschen aus. Es gibt fast nichts, was man mit dem Erlebnis vergleichen kann, einen Angsthund bei seiner Verwandlung in ein fröhliches Familienmitglied zu begleiten, ein Teil davon zu sein.

Im Tierheim hingegen haben solche Hunde absolut keine Chance. Sie leben in einem doppelten Gefängnis: In ihrem Zwinger und in der Isolationszelle in ihrem Kopf. Es ist uns ein besonderes Anliegen, dies mit Ihrer Hilfe und Ihrem Verständnis zu ändern, indem gerade Angsthunde bei uns eine Chance auf Vermittlung bekommen.

Dies ist kein bequemer, leichter Weg. Man braucht viel Geduld, Einfühlungsvermögen und muss mit Rückschlägen umgehen können. Gerade in der ersten Zeit geht es öfter 1 Schritt vor und 2 zurück, wenn man gar nicht damit rechnet. Ein gutes Nervenkostüm und Ruhe sind gefragt. Dennoch, es ist ein Königsweg, an dessen Ende ein besonders innig verbundenes Mensch-Hund Team steht, das mit Fug und Recht stolz auf sich sein darf.

Bitte prüfen Sie, ob Sie so jemand sind, ob Sie einer dieser verletzten Seelen ein Zuhause geben können. Wir begleiten Sie selbstverständlich und stehen Ihnen mit all unserem Wissen zur Seite.