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Mittelmeerkrankheiten

Mittelmeerkrankheiten - nur ein Thema für Hunde aus dem Ausland?

Es ist uns von saving-dogs e.V. ein wichtiges Anliegen, Sie über die sogenannten „Mittelmeererkrankungen“ zu informieren, denn sie sind kein spezifisches Problem des Mittelmeerraumes oder gar des Auslandstierschutzes.

Der Begriff „Mittelmeerkrankheiten“ an sich lässt vermuten, dass es sich dabei um Infektionen handelt, die ein Hund sich ausschließlich aus dem Mittelmeerraum mitbringen kann. Dies ist aber nicht der Fall, der Begriff ist somit ziemlich irreführend. Es handelt sich um Erkrankungen, die durch Ektoparasiten übertragen werden, die auch durchaus in Deutschland vorkommen.

Klartext: Es kann ein Hund, der Deutschland nie verlassen hat, also auch infiziert werden.

Von Zecken übertragene Krankheiten im europäischen Raum:

Braune Hundezecke w/m
=> Ehrlichiose – Babesiose - Hepatozoonose
   

Auwaldzecke w/m
=> Babesiose
  

Holzbock w/m
=> Borreliose – FSME – Anaplasmose
  
…Wussten Sie schon: Zecken können jahrelang überleben, Zecken überstehen Frost, Zecken können 3.000 Eier auf einmal ablegen, alle Entwicklungsstadien saugen Blut.

Von Mücken übertragene Krankheiten im europäischen Raum:

Überträger:

Sandmücke m/w
=>Leishmaniose

 

Stechmücke m/w
=> Dirofilariose 

[Bild folgt]

…Wussten Sie schon: Ein Hund kann mehr als 80 Mal gestochen werden in nur einer Nacht!

Zu den „Mittelmeerkrankheiten“ zählen die Infektionskrankheiten:

Anaplasmose

Babesiose

Ehrlichiose

Filariose

Hepatozoonose

Leishmaniose

 

 

Alle Informationen zu den beschriebenen Krankheiten beruhen auf neuesten, wissenschaftlichen Erkenntnissen, soweit sie uns zugänglich sind. Zum einen stehen wir in regem Erfahrungsaustausch und engem Kontakt mit Parasitus-Ex e.V., einem gemeinnützigen, führenden Verein zur Grundlagenforschung und Diagnostik von  Infektionskrankheiten bei Tieren. Zum anderen verfügen wir selbst über langjährige, sehr detaillierte und wertvolle Erfahrungen bei der Behandlung erkrankter Hunde.

Fotos der Parasiten mit freundlicher Genehmigung von Parasitus Ex.

Wir können jedoch keine Gewähr für die Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der Inhalte übernehmen.

Stand: Dezember 2013

Falls Sie weitere Auskünfte benötigen, ist Karin Loebnitz gerne für Sie da.

Kontakt: Telefon: 0177-7003377 oder   k.loebnitz@saving-dogs.de

 

 

 

Anaplasmose

Anaplasmen sind Bakterien, die in den Granulozyten (Untergruppe der Leukozyten) parasitieren.

Sowohl die Anaplasmen als auch die Ehrlichien setzen sich in den weißen Blutkörperchen fest, führen zu deren Zerstörung und gelangen so in die Lymphknoten, die Leber, Milz und das Knochenmark, wo sie sich vermehren.

Überträger:

Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus)

Inkubationszeit:

1-3 Wochen

Symptome:

ähnlich die der Ehrlichiose

Akutes Stadium:

wiederkehrend hohes Fieber 4-5 Tage lang, unspezifische Lahmheiten als Folge von Gelenkentzündungen

Später:

ZNS Symptome, Erbrechen, Teilnahmslosigkeit, Anämie, Abmagerung, Lymphknotenschwellung, eventuell auch eitriger Augen- und/oder Nasenausfluss, wiederkehrender Durchfall. Milz und Leber sind oft vergrößert.Bei manchen Hunden kommt es zu Nervenschäden, oft mit Zuckungen, Krämpfen, Lähmungen, Gelenkentzündungen oder/und verstärkter Blutungsneigung (punktförmige Einblutungen unter der Haut oder Nasenbluten) dazu.

Nachweis:

PCR oder Antikörpernachweis

Behandlung:

Antibiose

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Babesiose

Babesien sind Protozoen (Einzeller), die in den Erythrozyten (rote Blutkörperchen) parasitieren.

Übertragung:

48 bis 72 Stunden nach Zeckenstich.

Direktübertragung durch infizierte Zecken – Keine Zoonose*!

Überträger:

Rhipicephalus sanguineus (Babesia vogeli) - Vorkommen in Südeuropa: Spanien, Griechenland, Süditalien…

Dermacentor reticulatus (Babesia canis) - Vorkommen in Nord- und Mitteleuropa: Deutschland, Polen, Ungarn, Rumänien, Kroatien, Niederlande, Belgien, Frankreich, Schweiz, Norditalien…

Inkubationszeit:

sehr kurz, sie beträgt 5-28 Tage nach einem infektiösen Zeckenstich

Symptome:

Erste unspezifische Symptome sind: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Bewegungsstörungen und im weiteren Verlauf Lahmheiten.

Im akuten Stadium sind die Kardinalsymptome: colafarbener Urin und hohes Fieber (bis 42 Grad C), später zentralnervöse Störungen, hämolytische Anämie, Milz- und Lebervergrößerung, epilepsieforme Anfälle, Entzündungen der Schleimhäute (Mund -, Magen…), Gelbsucht, Blutungsneigung

Nachweis:

Wegen der kurzen Inkubationszeit ist es möglich, dass ein serologischer Antikörpernachweis selbst im akuten Stadium (noch) negativ ist!!

Im akuten Stadium ist eine Babesiose über einen Blutausstrich und eine PCR zu diagnostizieren.

Behandlung:

Eine Babesiose MUSS behandelt werden!!

Je nach Erreger 1-2 Injektionen mit Carbesia (Wirkstoff Imidocarb). Da Carbesia keine Zulassung in D hat, muss das Präparat durch den behandelnden Tierarzt in der internationalen Apotheke bestellt werden.

*= Als Zoonose wird eine von Tier zu Mensch und von Mensch zu Tier übertragbare Infektionskrankheit bezeichnet.

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Hepatozoonose

Die Hepatozoonose ist eine Infektion - hervorgerufen durch die Kokzidien-Art Hepatozoon canis!!! Die Bezeichnung dieser Erkrankung ist irreführend, da sie weder Leber-spezifisch noch eine Zoonose ist!!!

Übertragung:

Braune Hundezecke(Rhipicephalus sanguineus)

Die Übertragung erfolgt durch VERSCHLUCKEN der Zecke, NICHT durch den Stich.
Inzwischen ist bekannt, dass eine pränatale Übertragung ebenfalls möglich ist.

Symptome:

Die Erkrankung verläuft zumeist unauffällig und ist häufig eher ein Zufallsbefund.
Wenigen Berichten zufolge äußert sich diese Erkrankung durch Mattigkeit, Fieber, Bewegungsstörungen, Anämie, blutigem Durchfall. Die klinischen Symptome variieren stark.

Nachweis:

Buffy Coat, PCR

Behandlung:

Diese Erkrankung ist wenig erforscht. Es gibt derzeit noch keine Therapiemöglichkeit, um den Erreger abzutöten.

Cave: Hepatozoon-positive Hunde dürfen auf keinen Fall mit Kortikoiden oder Immunstimulanzien behandelt werden, da sich der Erreger unter diesen Medikamenten explosionsartig vermehrt. Dies kann sehr schnell zum Tod führen!

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