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Balou

Balou ist endlich auf der Sonnenseite des Lebens angekommen!

Unserem Balou war die tolle Möglichkeit gegeben, im Fernsehen vorgestellt zu werden. In der bekannten WDR Sendung „Tiere suchen ein Zuhause eroberte er viele Herzen im Sturm. Die überwältigende Resonanz nach der Sendung: Über 80 Anfragen!

Für die Hundefreunde, die den traumhaften Pyri-Maremmano-Mix noch nicht kennen, sei uns erlaubt, seinen Werdegang hier noch einmal zu erzählen. Seine Kindheit haben wir durch Befragungen der Anwohner zusammengetragen.

Balou wurde als ganz kleiner Welpe von herzlosen Menschen einfach entsorgt, auf einem temporär verlassenen Baugrundstück ausgesetzt. Von jetzt auf gleich auf sich allein gestellt, lernte er irgendwie zu überleben. Als Unterschlupf bei Sonne, Regen oder Kälte diente ihm lediglich ein schmaler Betonring. Spielkameraden, regelmäßiges Futter, menschliche Zuwendung - das alles war Balou fremd. Seine rassetypischen Eigenschaften haben sicher dazu beigetragen, diesen Überlebenskampf für sich entscheiden zu können. Er brauchte niemanden, lebte selbstbestimmt und unabhängig.

Bei den regelmäßigen Besuchen in der LIDA fiel er unserer Kollegin Karin beim Vorbeifahren am Trümmergelände auf. Herdenschutzhunde sind ihre Leidenschaft, sie hat unzählige Welpen aufgezogen, junge wie erwachsene Maremmani sozialisiert und auf ihren Lebensweg gebracht. Balou traf sie sofort ins Herz, zumal er in seinem "Zuhause" Gefahr lief, vergiftet oder ins Canile gebracht zu werden, sollten die Baumaßnahmen wieder aufgenommen werden.

Sie freundete sich behutsam mit Balou an, der ihr sehr freundlich begegnete und sie nach kurzer Zeit sogar anspielte.

saving-dogs beschloss, diesem tollen, etwa 1,5 jährigen Rüden eine Chance auf ein artgerechtes, behütetes Leben zu geben. Dazu war einiges vonnöten. Wir brauchten nicht nur ein versiertes Zuhause. Balou musste zunächst unter recht großem Aufwand eingefangen und in unser Partnertierheim, die L.I.D.A., gebracht werden, zumindest bis zu seiner Ausreise. Besonders dieser Schritt fiel uns schwer. Balou, die Freiheit in Person, musste in der Enge und dem enormen Stress eines so großen Tierheims ausharren, seine Impfkarenzzeit absitzen. Es brach uns das Herz, in dort zurücklassen zu müssen, wenn auch nur für wenige Wochen.

Während seiner Ausreise brachte Balou eine weitere, für ihn traumatische Etappe hinter sich: Den Flugstress, das eingesperrt sein in der engen Flugbox. Selbst das Bodenpersonal war geschockt, als sie das viele Blut in der Box sah. Balou wollte sich unbedingt aus seiner misslichen Lage befreien. Die Gitter hatten tiefe Spuren in seinen Pfoten und am Fang hinterlassen.

Bei Karin angekommen, zeigte sich zu unserer Freude, dass die Wochen im Tierheim keine negativen Spuren bei ihm hinterlassen hatten. Balou´s Vertrauen in die Menschen war nicht erschüttert. Im Gegenteil, dieser wunderbare Hund entpuppte sich als Welpe im 45 kg-Kostüm. Gerührt sahen wir ihm zu, wie er sich über sein erstes eigenes Bett freute, wie er zaghaft erste Spielversuche unternahm, wie er begeistert seine erste Portion Rohfleisch verdrückte.

In Balou´s Fall wurde es jetzt extrem wichtig, dass er und die Menschen zusammenwachsen, vieles gemeinsam erarbeiten, eine Vertrauensbasis schaffen.

Balou lernte in dieser Zeit das Einsteigen ins Auto - und es darin auszuhalten. Autofahren, Basics der Leinenführigkeit, sich scheren zu lassen. Er besuchte souverän die Tierarztpraxis, ließ sich brav untersuchen und Blut abnehmen… Dies sind nur einige von vielen Dingen, die er absolut cool meisterte. Und zwischendurch sah man immer wieder den Welpen in ihm durchkommen. Er lebte die Kindheit, die er nie gehabt hatte, holte nach.

Balou entwickelte sich auf seiner Pflegestelle außerordentlich gut. Er ist sehr menschenbezogen, das scheint seine neu erworbene Leidenschaft zu sein. Ausgiebige Schmuse- und Kuscheleinheiten standen auf dem Tagesprogramm. Er wurde in die vielschichtige Hundegruppe der Pflegestelle integriert und verstand sich problemlos mit allen - sei es Welpe, Senior, ängstlichen oder souveränen, kastrierten oder intakten Artgenossen.

Hier sehen Sie ein Video von Balou beim Spiel

Man darf eines nicht vergessen: Auch das Zusammenleben mit ihm fremden Hunden in einer Gruppe auf engstem Raum war für ihn als Straßenhund absolutes Neuland!! Nach und nach gewöhnte er sich an den Sinn einer Leine; Spaziergänge fingen an Hund und Mensch Spaß zu machen.

Vor diesem Hintergrund kann sich nun jeder leicht vorstellen, wie groß die Verantwortung ist, aus über 80 Anfragen die EINE Familie auszusuchen, die zu Balou passt. Alles musste stimmen: Von Wohnlage, Grundstücksgröße, Zaunhöhe und Zeitfaktor über Ausstrahlung, Geduld, Liebe zur Rasse, der Fähigkeit und dem Spaß daran, mit Balou weiter zu lernen, zu arbeiten, zusammenzuwachsen und und und...

Die favorisierte Familie wurde zu einem Treffen bei Balou´s Pflegestelle eingeladen, damit er seine etwaigen neuen Menschen in vertrauter Umgebung und in aller Ruhe kennenlernen konnte und auch die Menschen ein Gefühl für Balou bekamen. Dies war ein voller Erfolg! Nach einem positiven Vorbesuch, der eine Zaunausbesserung mit sich zog, stand einer Adoption nichts mehr im Wege und Balou konnte in sein neues Zuhause im schönen Sauerland einziehen.

Ersten Rückmeldungen nach sind alle rundherum glücklich und zufrieden. Und Balou steht majestätisch auf der Terrasse und überblickt aufmerksam SEIN Reich. Das ist genau das Finale, auf das alle in emsiger Zusammenarbeit hingewirkt haben!